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Zwischen Wirtshaus und Whatsapp

Ein kooperatives Promotionsprojekt der THD und Universität Passau

Juli 2026 | Henrike Runge

Die ländlichen Regionen in Bayern sind von einem ganz bestimmten Bild geprägt: dem traditionellen Maibaumaufstellen, jährlichen Fahnenweihen und dem gemütlichen Zusammensitzen bei Vereinsfesten. Alles Dinge, bei denen Menschen sich zusammenfinden, gemeinsam Zeit verbringen und das Miteinander stärken. Und genau hier kommt Hanna Schürzinger ins Spiel.

Featurette Image

Hanna Schürzinger

Hanna ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Smart Region“ am Campus Grafenau der Technischen Hochschule Deggendorf (THD). Sie besitzt einen Master of Arts in Kulturgeographie und leitet die Projekte „Smarte ILE* – auf dem Weg in die digitale Zukunft“ sowie „Wissensaustausch und -transfer Smarte ILE“.


* ILE steht als Abkürzung für „Integrierte ländliche Entwicklung“.

Aktuell arbeitet sie daran, den Doktortitel zu erlangen, und wird dabei sowohl von Jörg Scheffer, Professor der Humangeographie an der Universität Passau, als auch von Geoinformatiker Prof. Dr. Roland Zink der THD betreut. Dieses kooperative Promotionsprojekt ermöglicht es Hanna, ihre sozialwissenschaftliche Komponente der Kulturgeographie mit dem technischen Bereich zu verbinden.

Warum zwei Doktorväter?

Bis zur Einführung des Bayerischen Hochschulinnovationsgesetzes (BayHIG) im Jahr 2023 besaßen Hochschulen für angewandte Wissenschaften in der Regel kein Promotionsrecht. Der Doktortitel konnte nur durch eine Universität überreicht werden, weshalb sich kooperative Promotionsprojekte etablierten. Bei diesen handelt es sich um eine gemeinsame Betreuung eines Doktoranden oder einer Doktorandin durch Hochschule und Universität.

Mit dem BayHIG wurde vielen Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie Kunsthochschulen ein fachlich begrenztes Promotionsrecht verliehen. Trotzdem bleiben kooperative Promotionen weiterhin üblich – zum Beispiel, wenn Projekte thematisch oder methodisch von einer gemeinsamen Betreuung profitieren. 

Persönliches Treffen oder doch lieber Chatten?

Außer den betreuenden Professoren braucht Hanna für ihre Promotion natürlich noch ein Thema. Die inhaltliche Ausrichtung ihrer Arbeit ist dabei eng mit ihrer Tätigkeit am Campus Grafenau verbunden. Seit mehreren Jahren ist Hanna dort in Forschungs- und Transferprojekten aktiv, die sich mit Digitalisierung und ländlicher Entwicklung beschäftigen – gemeinsam mit bayerischen Gemeinden und ILE-Regionen. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage, wie digitale Technologien ländliche Räume unterstützen können. Allerdings nicht als Allheilmittel, sondern als Instrument, um lokale Prozesse, Teilhabe und Zusammenarbeit zu stärken.

Besonders faszinierend fand Hanna dabei schon immer, wie digitale Medien die soziale Begegnung verändern – also nicht nur die Kommunikation im digitalen Raum, sondern auch das tatsächliche Zusammenkommen vor Ort, beispielsweise bei einem Turnier des heimischen Fußballvereins. Aus dieser praktischen Arbeit heraus entwickelte sich das Thema, mit dem sie sich nun im Rahmen einer kooperativen Promotion vertieft beschäftigt. Sie untersucht die Transformation sozialer Begegnungsräume in ländlichen Gemeinden. Dabei interessieren sie unter anderem folgende Fragen:

  • Wie verändert die digitale Transformation Bedeutung, Nutzung und Zusammenspiel sozialer Begegnungsräume in ländlichen Gemeinden?
  • Wie verändern sich die Orte des Zusammenkommens, wenn digitale Medien Teil des Alltags und der lokalen Kommunikation werden?
  • Wo begegnen sich Menschen innerhalb der Gemeinde?

 

Kurz gesagt: Braucht es die typischen Feiern und Wirtshäuser noch oder wird die Begegnung vor Ort durch digitale Mittel ersetzt?

Forschung Zwischen Feldern

Um ihre Forschungsfragen zu beantworten, arbeitet Hanna mit einem qualitativen Methodenmix. Im Zentrum steht eine Feldforschung in drei ländlichen Gemeinden in Niederbayern, wo sie den Alltag vor Ort miterlebt, an Veranstaltungen teilnimmt und mit Menschen ins Gespräch kommt. Ergänzend führt sie qualitative Interviews mit lokalen Akteurinnen und Akteuren – zum Beispiel mit kommunalen Vertretenden oder Personen aus dem Kulturbereich –, um unterschiedliche Sichtweisen auf physische und digitale Begegnungsräume einzufangen. Außerdem wirft sie einen Blick in alternative Kommunikationsräume wie Dorf-Apps oder Vereinsplattformen, um zu verstehen, wie Austausch und Gemeinschaft online entstehen. Durch die Verbindung dieser Zugänge kann Hanna einen breiten Eindruck davon gewinnen, wie soziale Begegnung in ländlichen Gemeinden heute gestaltet wird – analog, digital und irgendwo dazwischen.

Qualitative vs. quantitative Forschung

Qualitative Forschung bedeutet, ein Thema möglichst tiefgehend zu betrachten. Sie bietet sich insbesondere dann an, wenn es darum geht, soziale Prozesse zu verstehen. Beliebte Methoden bei der qualitativen Forschung sind zum Beispiel Experteninterviews, Fallstudien oder qualitative Beobachtungen. Ziel ist nicht, möglichst viele Fälle zu untersuchen, sondern ein differenziertes Verständnis zu gewinnen.

Konträr dazu gibt es auch quantitative Forschung. Bei dieser werden möglichst viele Daten erhoben, die anschließend statistisch ausgewertet werden.

Update folgt im Forschungsfunk

In den kommenden Monaten wird Hanna in den Gemeinden unterwegs sein, Gespräche führen, an Veranstaltungen teilnehmen und digitale Kommunikationsräume analysieren. Welche Einblicke sich daraus ergeben, zeigt sich dann im direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort und später in der Auswertung des Materials.

Ende dieses Jahres wird Hanna im „ForschungsFunk“ mit Podcast-Host Dr. Jörg Kunz über ihre Erfahrungen in der Feldforschung sprechen und neue Einblicke in ihr Promotionsprojekt geben.

 

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