Von Deggendorf nach Tallin
Beim zentralen Visionstag der estnischen Rektorenkonferenz der Fachhochschulen in Tallin haben der Vizepräsident der Technischen Hochschule Deggendorf (THD), Prof. Dr. Wolfgang Dorner, sowie die Leiterin des Zentrums für Akademische Weiterbildung, Corina Welsch, am 13. Oktober das THD-Erfolgsmodell eines Motors für Wirtschaft und Fachkräfte im ländlichen Raum vorgestellt.
„Nicht nur bei uns im ländlichen Ostbayern“, so berichtet Dorner aus Estland, „stellt man sich die Frage, wie eine Region zukunftsfähig bleibt, wenn die großen Städte weit weg sind?“ In Tallin habe der Vizepräsident für Forschung und Transfer skizziert, wie die THD ihre Forschung seit 2009 dezentral ausgerollt und auf inzwischen 16 Campi mit unterschiedlichen Schwerpunkten verteilt habe. Jeder Campus mit einem eigenen Schwerpunkt und mit direkter Anbindung an die Unternehmen, für die man in der Region und darüber hinaus arbeite. „Wer neue Technik will, sollte sie dort entwickeln, wo sie gebraucht wird“, erklärte der Deggendorfer Professor die Strategie der THD, die von den estnischen Kollegen mit großem Interesse aufgenommen worden sei. Ebenso wie die Diskussion der Frage „Und was kommt dann“, wie Dorner es ausdrückt. „Denn das Entscheidende ist der Transfer. Also der Schritt von Forschungsergebnissen zu marktreifen Anwendungen“, so Dorner. Dass in der heutigen Zeit nicht nur zivile Nutzungen eine Rolle spielen würden, sondern auch sicherheitsrelevante, das sei gerade in einem Land wie Estland deutlich spürbar gewesen.
Corina Welsch hingegen schärfte in Tallin auch den Blick auf die Menschen, die die Technik anwenden. „Fachkräfte sind der Engpass, den uns wirklich alle nennen. Wenn wir Berufstätigen akademische Weiterbildung ermöglichen, die neben dem Job funktioniert und das auch international, dann stärken wir Betriebe und Regionen zugleich.“ Insofern könne die akademische Weiterbildung ebenso wie die Forschungsstrategie der Deggendorfer Hochschule internationalen Vorbildcharakter haben und nicht umsonst sei man in Tallin eingeladen gewesen. Das Resümee von Welsch und Dorner fällt einstimmig aus: „Wir waren gespannt, was die Kolleginnen und Kollegen in Estland beschäftigt und haben sofort gemerkt, wie ähnlich die Fragen sind. Hochschulen im ländlichen Raum brauchen Forschung, die vor Ort wirkt und Menschen, die die Ergebnisse in den Betrieben umsetzen.“
Nach dem informellen Austausch sollen zukünftig konkrete Maßnahmen folgen. „Wir haben Interesse an gemeinsamen Projekten in Forschung und Transfer sowie an Kooperationen in der berufsbegleitenden Weiterbildung mit Programmen, die sich über Ländergrenzen hinweg aufbauen lassen“, sagt Dorner. Ob, und wie das mit estnischen Hochschulen gelingen kann, bleibt allerdings zunächst noch offen.